Eins vorweg: Was für große Unternehmen gilt, das gilt bei Automatisierungsprojekten auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – ein schlechter Prozess bleibt auch automatisiert ein schlechter Prozess. Jedes Automatisierungsprojekt in der Intralogistik sollte bei den Prozessen ansetzen, um sie effizienter und resilienter zu machen. Denn bei der Automatisierung geht es genau darum, Prozesse und darin liegende Aufgaben immer erfolgreich ausführen zu können, ohne menschliches Zutun und Eingreifen.
Will man den Automatisierungsgrad in Materialfluss und Lager erhöhen, dann sind damit bestimmte Zielsetzungen verbunden. Allgemein gesprochen geht es um:
- Die optimale Nutzung von Ressourcen. Das betrifft Geldmittel, Zeit, Materialien und Arbeitskraft.
- Die Steigerung der Effizienz. Diese kann erreicht werden durch die Automatisierung von kleinen Teilprozessen als auch durch die entsprechende Automatisierung eines umfassenden Gesamtprozesses.
- Die Minimierung von Fehlern. Je weniger Fehler, desto problemloser und wirtschaftlicher finden die Abläufe in der Intralogistik statt. Vor allem in Zeiten mit Auftragsspitzen, wenn sich die eigenen Kapazitäten ihren Grenzen nähern, ist dieser Aspekt von großer Bedeutung.
Gewöhnlich sind intralogistische Automatisierungsprojekte ein Thema, bei dem KMU eher zurückhaltend agieren und fast schon eine Art Abwehrhaltung einnehmen. Womöglich, weil man die Kosten dafür hoch einschätzt oder weil man denkt, dass es so viel gar nicht bringen kann; anders ausgedrückt – „Automatisierung ist teuer und lohnt sich nicht“. Vielleicht galt das im KMU-Umfeld früher einmal, aber im Zuge des digitalen Fortschritts werden auch Automatisierungsmaßnahmen immer günstiger. Ein realistisches Hindernis besteht eher darin, dass man sich davor scheut, oder nicht die Arbeit investieren will, die eigenen Prozesse unter die Lupe zu nehmen und auf ihr Optimierungspotenzial zu prüfen. Aus diesem Grund nochmal der Hinweis: Erst werden die Prozesse geprüft und optimiert. Dann wird automatisiert.
Warum automatisieren?
Wenn der Automatisierungsgrad niedrig ist, dann bedeutet das zwangsläufig, dass der Anteil menschlicher Arbeitskraft entsprechend hoch ist. Wer heute noch nicht am Fachkräftemangel leidet, der wird aufgrund der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren diesen Pain Point noch umfänglich entwickeln. Und selbst wenn genügend manuelle Arbeitskraft vorhanden ist, dann ist das Arbeitsleben mittlerweile insofern individueller geworden, als dass sich eine Belegschaft zusammensetzt aus Vollzeitkräften, unterschiedlichen Teilzeitkräften, immer weniger werdenden älteren, erfahrenen Mitarbeitern und schwer zu bekommenden jungen Kräften. Daraus folgend müssen umso mehr Ressourcen in das Workforce Management gesteckt werden – oder man investiert proaktiv in eine Erhöhung des Automatisierungsgrads.

Und Automatisierungsmaßnahmen schaffen tatsächlich Abhilfe. Es geht nicht um das vordergründige „schneller und mehr für weniger Geld“ und das Ablösen von Menschen durch Maschinen, sondern darum, Unternehmen – vor allem das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, die KMU – widerstandsfähiger und somit zukunftssicher zu machen.
Was sind die ersten Schritte?
Jedes Unternehmen wird klar definieren müssen, welchen Grad an Automatisierung es erreichen will. Daraus wird auch ersichtlich, wann sich eine solche Investition amortisieren wird (und das wird sie mit nachhaltigem Erfolg). Unabhängig von diesen konkreten Überlegungen ist es von Vorteil, ein Lagerverwaltungssystem (LVS) einzuführen. Denn hat man eine solche Basis, dann leiten sich daraus zahlreiche weitere Automatisierungsmöglichkeiten ab, kleine wie große. So lassen sich durch ein LVS einfach MDE einführen, also mobile Endgeräte, die die Fehlerquote beim Kommissionieren senken, weil es keine Übertragungsfehler mehr aus handschriftlichen Tabellen gibt, die erst ausgedruckt am Klemmbrett mit durchs Lager wandern, um dann wieder in Excel übertragen zu werden. Generell lohnt es sich, beim Thema Automatisierung nicht nur an physische Optimierungen zu denken, die eindrucksvoll sein mögen wie fahrerlose Transportsysteme (FTS) oder „Ware zum Mann“-Kommissionierung bei einer Teilautomatisierung oder eine automatisierte Cube-Storage-Lösung für ein Kleinteilelager. Stattdessen lohnt sich, hauptsächlich im Hinblick auf Investitionskosten und Umsetzungsgeschwindigkeit, den Fokus auf die Automatisierung von Datenflüssen zu legen. Die Ablage, der Zugriff, die Verfügbarkeit, der Abgleich und die Auswertung der im KMU vorhandenen und erzeugten Daten bieten in der Regel eine Fülle an Effizienzgewinnen durch Automatisierung. Diese intralogistischen Prozesse mithilfe eines LVS zu digitalisieren und zu automatisieren, bildet das Fundament jeder weiteren Automatisierungsmaßnahme; als einzelne Lösung oder als Teil eines ERP-Systems. Bislang aufwendige Aufgaben und Prozesse werden dadurch innerhalb eines Wimpernschlags durchgeführt.
Für welche KMU lohnt sich ein Automatisierungsprojekt?
Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, da KMU so unterschiedlich und vielfältig sind. Allerdings kann sich jedes einzelne Unternehmen an die Antwort herantasten, indem man sich anschaut, wo die größten Probleme liegen, wie bei: der Fehlerquote, den Auftragsdurchlaufzeiten, dem Flächennutzungsgrad oder dem Lieferbereitschaftsgrad.
Generell sollte es bei Automatisierungsprojekten bei KMU darum gehen, die Verwaltung und Steuerung des Lagers insgesamt zu vereinfachen. Im Zuge dessen werden Fehler reduziert und die Prozesse gewinnen an Effizienz. Automatisierung muss immer auch Optimierung bedeuten, denn es geht definitiv nicht einfach nur darum, menschliche Arbeitskräfte durch Maschinen und Roboter zu ersetzen. Optimiert werden somit die Bestände im Lager, es wird weniger Kapital gebunden, der Lagerumschlag wird erhöht, die Lieferzeiten verkürzt und Mitarbeiter werden besser eingesetzt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KMU unbedingt ihre Automatisierungspotenziale prüfen sollten, denn Automatisierungsprojekte lohnen sich und machen ein Unternehmen resilienter. Angefangen, wie zu Beginn erwähnt, bei der Optimierung der intralogistischen Prozesse.
Dieser Beitrag erschien im Fachmagazin „f+h fördern und heben“ in der Ausgabe 10/2024.
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