Die Intralogistik bildet das Rückgrat moderner Wertschöpfungsketten und bietet zugleich auch erhebliches Optimierungspotenzial in jedem einzelnen Unternehmen. Sie umfasst alle innerbetrieblichen Material- und Warenflüsse sowie die dazugehörigen Informationsprozesse. Mit der zunehmenden Digitalisierung – etwa durch automatisierte Lagersysteme, vernetzte Fördertechnik und intelligente Steuerungssoftware – steigt jedoch auch die Abhängigkeit von stabilen und sicheren IT-Systemen. Genau hier gewinnen Standards und regulatorische Anforderungen zunehmend an Bedeutung: NIS2 ist dabei die Richtlinie der EU, die in deutsches Recht überführt und in dem BSI-Gesetz vom 6. Dezember 2025 für Deutschland umgesetzt wurde. Darin enthalten und definiert ist die BSI-Kritisverordnung (BSI-KritisV); diese Verordnung konkretisiert die inhaltliche Abgrenzung, indem sie Sektoren und Schwellenwerte festlegt, ab denen Einrichtungen als KRITIS gelten. ISO 27001 wiederum, ist eine Art der Zertifizierung, wodurch man nachweisen kann, dass man die erforderlichen Maßnahmen getroffen hat und nach einer Prüfung eben dieses Zertifikat erhält.
Warum ist das Thema so relevant?
Bei der Intralogistik von Unternehmen handelt es sich um hochgradig digitalisierte Organisationsbereiche. Systeme wie Warehouse-Management-Systeme (WMS), Transportmanagementsoftware und IoT-basierte Sensorik sind essenziell für den Betrieb. Ein Ausfall oder eine Kompromittierung dieser Systeme kann massive Auswirkungen haben – von Lieferverzögerungen über Produktionsstillstände bis hin zu erheblichen finanziellen Schäden.
Zudem geraten immer mehr Unternehmen in den Fokus regulatorischer Anforderungen. Die BSI-KritisV erweitert den Kreis der betroffenen Unternehmen deutlich und verpflichtet viele Organisationen erstmals zu umfassenden Maßnahmen im Bereich Cybersicherheit. Parallel dazu verschärft die KRITIS-Verordnung die Deklaration von Unternehmen, die als Teil kritischer Infrastrukturen eingestuft werden – beispielsweise in den Bereichen Energie, Gesundheit oder Transport und Verkehr. Auch Zulieferer und Dienstleister solcher kritischen Einrichtungen können indirekt betroffen sein.
Ein nach ISO 27001 zertifiziertes Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS) ist wiederum international anerkannt und belegt, dass Unternehmen nicht nur Compliance zeigen, sondern auch ihr Vertrauen bei Kunden und Partnern stärken.
ISO 27001 in der Intralogistik
Die Einführung eines ISMS nach ISO 27001 hilft Unternehmen, Risiken systematisch zu identifizieren und geeignete Schutzmaßnahmen zu implementieren. In der Intralogistik bedeutet das konkret:
- Absicherung von Teilen oder der kompletten IT-Peripherie (z. B. für Förderanlagen oder automatische Lagersysteme)
- Schutz sensibler Daten wie Lieferinformationen oder Kundendaten; die Hauptschutzziele der Informationssicherheit sind auch durch das CIA-Modell verdeutlicht: Vertraulichkeit (Confidentiality), Integrität (Integrity), Verfügbarkeit (Availability)
- Regelmäßige Risikoanalysen und Audits
- Etablierung klarer Prozesse für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen
Ein großer Vorteil: ISO 27001 ist skalierbar und kann sowohl von mittelständischen Unternehmen als auch von großen Konzernen implementiert werden; und wie bereits erwähnt, können ganze Systeme oder auch nur Teile davon zertifiziert werden.
NIS2 – Neue Anforderungen an die Cybersicherheit mittels BSI-Gesetz
Mit NIS2 verschärft die EU die Anforderungen an die IT-Sicherheit deutlich. Unternehmen müssen unter anderem:
- Sicherheitsmaßnahmen auf dem Stand der Technik umsetzen
- Sicherheitsvorfälle innerhalb kurzer Fristen melden
- Lieferketten stärker absichern
- Verantwortlichkeiten auf Managementebene klar definieren
Für die Intralogistik ist besonders relevant, dass auch indirekt betroffene Unternehmen – etwa als Teil einer Lieferkette – stärker in die Pflicht genommen werden. Wer beispielsweise Logistikdienstleistungen für kritische Infrastrukturen erbringt, sollte, um in Zukunft auf Rückfragen vorbereitet zu sein, ebenfalls hohe Sicherheitsstandards nachweisen.
KRITIS – Schutz kritischer Infrastrukturen
Unternehmen, die als KRITIS-Betreiber eingestuft werden, unterliegen sogar deutlich strengeren gesetzlichen Vorgaben. Dazu gehören:
- Mindeststandards für IT-Sicherheit
- Nachweispflichten gegenüber Behörden
- Regelmäßige Prüfungen und Zertifizierungen
In der Intralogistik betrifft dies insbesondere Unternehmen, die zentrale Funktionen in der Versorgung übernehmen, etwa im Bereich Lebensmittel, Energie oder medizinische Güter. Ein Ausfall kann hier weitreichende gesellschaftliche Folgen haben, weshalb die Anforderungen entsprechend hoch sind.
Worauf sollten Unternehmen achten?
- Frühzeitige Analyse der Betroffenheit
Unternehmen sollten prüfen, ob sie direkt oder indirekt unter NIS2 oder KRITIS fallen. Auch eine zukünftige Einstufung sollte berücksichtigt werden. Genau genommen sollte dieser Punkt entsprechenden Unternehmen schon seit Jahren klar sein. - Ganzheitlicher Sicherheitsansatz
IT-Sicherheit darf nicht isoliert betrachtet werden. Besonders in der Intralogistik ist die Verzahnung von IT und OT (Operational Technology) entscheidend. - Lieferketten im Blick behalten
Sicherheitslücken bei Partnern können erhebliche Risiken darstellen. Eine Bewertung und Absicherung der gesamten Lieferkette ist unerlässlich. - Mitarbeitersensibilisierung
Viele Sicherheitsvorfälle entstehen durch menschliche Fehler. Schulungen und klare Richtlinien sind daher ein zentraler Bestandteil jeder Sicherheitsstrategie. - Kontinuierliche Verbesserung
Bedrohungen entwickeln sich ständig weiter. Unternehmen müssen ihre Maßnahmen regelmäßig überprüfen und anpassen.
Fazit
ISO 27001, NIS2 und KRITIS sowie die BSI-Kritisverordnung sind keine rein regulatorischen Themen, sondern zentrale Bausteine für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen in der Intralogistik und der Intralogistik in Unternehmen. Wer frühzeitig handelt, kann nicht nur Risiken minimieren, sondern auch Wettbewerbsvorteile erzielen. Sicherheit wird zunehmend zum entscheidenden Qualitätsmerkmal – und damit zu einem wichtigen Erfolgsfaktor in einer digitalisierten Logistikwelt.
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