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Rückblick: Das war der 32. Deutsche Logistik-Kongress

„Volle Kraft voraus“ wäre auch ein passendes Motto gewesen für den 32. Deutschen Logistik-Kongress, denn der allgemeine Tenor schallte klar in eine Richtung: nach vorne. Ob Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik – die Impulse, ausgehend von den 130 Referenten, kamen aus vielen verschiedenen Lagern und inspirierten die 3.226 Besucher im Berliner InterContinental, auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Ein Gesamtbild der Branche ergab sich für die Gäste dann beim gemeinsamen Netzwerken auf der angeschlossenen Fachausstellung, bei der auf zirka 1.200 m² Aussteller aus den Bereichen Logistik, Intralogistik und Supply-Chain-Management ihr Know-how zur Verfügung stellten.

Es war der erste Besuch der TUP-Redaktion auf dem Deutschen Logistik Kongress (DLK), veranstaltet von der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Klar war: das wird etwas Größeres, über 3.000 Besucher hatten sich angekündigt. Und das in einem Hotel? Entsprechend beeindruckend präsentierte sich die Location im Herzen Berlins in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tiergarten. Verteilt über zwei Gebäudekomplexe wurden über drei Tage vielfältige Veranstaltungen und Workshops angeboten. Die Orientierung fiel, trotz berufsbedingter Affinität zu Logistik und Wegoptimierung, zu Beginn nicht ganz leicht. Der Herdentrieb führte aber letztlich automatisch zum großen Plenarsaal, in dem Prof. Dr.-Ing. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der BVL, den Kongress feierlich eröffnete.

Bewegung, auch über die Grenzen Europas hinweg

„Eine Welt in Bewegung“, so lautete der diesjährige Leitspruch des DLK. Klinkner betrachtete zuerst die weltweiten wirtschaftlichen Entwicklungen, wie beispielsweise das schwächelnde Wirtschaftswachstum Chinas oder der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes der USA – und spannte dann den Bogen zurück nach Deutschland. Einerseits sind Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise oder innerdeutsche Arbeitskämpfe zu bewältigen, andererseits wird der Logistikbranche in diesem und im nächsten Jahr jeweils ein Umsatzwachstum von etwa 2 % prognostiziert. Dieser Aufschwung müsse dazu genutzt werden, Neuankömmlinge in Deutschland zu integrieren und die digitale Transformation und somit die Entwicklung in den unterschiedlichen Bereichen der Industrie 4.0 voranzutreiben. Deutschland habe so die Möglichkeit eine digitale Reife zu erreichen. „Für die digitale Transformation brauchen wir eine umfassende Veränderung: die durchgehende Vernetzung aller Wirtschaftsbereiche. Starre Wertschöpfungsketten werden zu dynamischen Netzwerken. Schlüsselfaktoren dafür sind begeisterte Menschen, hinreichend digitale Daten zur verbesserten Vorhersage und gezielteren Prozesssteuerung, synchronisierte Lieferketten, verkürzte Produktions- und Innovationszyklen“, so Klinkner.

Politik und Industrie müssen Hand in Hand gehen

Klinkner übergab das Wort an Dr. Wolfgang Bernhard, Mitglied des Vorstandes der Daimler AG, Trucks & Busses aus Stuttgart. „Wir erleben eine Zeit des Umbruchs – Politik und Industrie müssen gemeinsam handeln“ so der Standpunkt des Baden-Württembergers, vermutlich auch im Ausblick auf die späteren Redner bei dieser Eröffnungsveranstaltung. Daten seien das Gold der digitalen Ära, bezogen auf das Geschäftsfeld von Daimler seien dann entsprechend die vernetzten Trucks die Goldmine. Bernhard beleuchtete die völlig neuen Möglichkeiten, die diese Truck-Daten in der Cloud mit sich bringen, wie beispielsweise planbare Werkstattbesuche oder digitale Frachtpapiere. Er monierte aber gleichzeitig den fehlenden flächendeckenden Ausbau des mobilen Internets entlang deutscher Autobahnen. Europa hätte gute Chancen technologisch zu den USA aufzuschließen, allerdings müssten dazu alle Beteiligten von Politik und Wirtschaft ihre Kräfte bündeln und die Infrastruktur auf den heutigen Stand der Technik bringen.

Nächster hochkarätiger Sprecher war Dr. Stefan Asenkerschbaumer von der Robert Bosch GmbH. Der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsleitung prophezeite, dass sich der weltweite Warenhandel bis im Jahre 2030 vervierfachen werde. Dieser Herausforderung könne man nur durch eine Vernetzung von Transport, Fertigung und der gesamten internationalen Supply-Chain Herr werden. Es müssten sich neue Wertschöpfungsnetzwerke bilden, für die heute schon Schlüsselkompetenzen aufgebaut, unternehmensübergreifende Kooperationen geschmiedet und infrastrukturelle Vorbereitungen getroffen werden sollten. Speziell die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssten hierbei unterstützt werden.

Digital Readyness als Grundvoraussetzung für eine positive Veränderung in Europa

„Disruption durch Digitalisierung?“ Diese Frage erörterte Dr. Detlef Trefzger, CEO von Kühne + Nagel International, in seinem Plenumsvortag. Die Transformationsmacht der Digitalisierung sei die Geschwindigkeit, dies veranschaulichte er an den Beispielen Amazon mit „Amazon Fresh“ oder dem Taxidienst Uber, der neuerdings Paketzustellungen als Dienstleistung anbietet. Das Erkennen der Macht des Internets und der Kundenbedürfnisse zeige heute die „Digital Readyness“ eines Unternehmens. Wenn diese Bereitschaft vorhanden sei, dann bedeute Digitalisierung eben keine Disruption sondern eine Transformation.

Letzter Sprecher im Eröffnungsplenum des DLK war kein Geringerer als Dr. Wolfgang Schäuble, Mitglied des Bundestags und Bundesminister der Finanzen. Es war deutlich zu spüren, dass der seit 1972 im deutschen Bundestag agierende Politiker schon viele Transformationen gesehen, schon viele Revolutionen, sei es technologisch, politisch oder wirtschaftlich, erlebt hat. Mit einem klaren Statement zu Europa, appellierte er an das Auditorium, dass die wirtschaftlichen und industriellen Herausforderungen gemeinsam gelöst werden müssten. „Europa ist unsere Verbindung zur Globalisierung“, so Schäuble. Auch das aktuelle Flüchtlingsthema könne nur gemeinschaftlich gemeistert werden.

Hochwertiges Programm, auch abseits der Technik

Es folgten viele spannende Fachsequenzen, Diskussionen und Flurgespräche, die Verleihung des Deutschen Logistik-Preises an die BLG Logistics Group und das Handelsunternehmen Engelbert Strauss und die Auszeichnung des jungen Softwareingenieurs Dr.-Ing. Tobias Krühn mit dem Wissenschaftspreis Logistik. Auch abseits der klassischen technischen Vorträge wurden aktuelle Themen aufgegriffen, als Beispiel sei die Fachsequenz „Personalstrategien für morgen“ mit einem tollen Beitrag von Prof. Dr. Christian Scholz „Die Generation Z: Wie sie völlig anders tickt und wo die Logistik gründlich nachdenken sollte“ genannt.
Weitere Details würden hier den Rahmen sprengen, die Mediathek des BVL ermöglicht weitere Einblicke in das Vortragsprogramm des 32. Deutschen Logistik-Kongresses.

So gab es neben vielen Ideen, Impulsen und neuen Kontakten auch die Gewissheit, spannende Tage in Berlin verbracht zu haben und einiges mit nach Hause zu nehmen. Der 33. Deutsche Logistik-Kongress in Berlin, vom 19. bis 21. Oktober 2016, wird daher sehr wahrscheinlich wieder unter einer genauen Beobachtung der TUP-Redaktion stehen.

 

Bildrechte: Dr. Thomas + Partner, Bild Preisverleihung: Bundesvereinigung Logistik