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Im Interview: Projektleiter Wilfried Hille über GATE, das internationale ERP-System für den Fahrzeughandel

Die Automotive-Branche gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen In Deutschland. Dabei sind neben den Schwerpunkten Forschung, Entwicklung und Design auch die Logistik der Fahrzeuge und deren Ersatzteile als wichtige Zweige zu nennen. Die Branche ist durch einen anhaltenden Kosten- und Rationalisierungsdruck geprägt. Ein Grund, warum Hersteller, Importeure sowie Händler auf eine Software setzen, die alle notwendigen Prozesse des Unternehmens und die der Partner abbildet. Warum die Automotive-Software GATE, Global Automotive Trade Environment, von DR. THOMAS + PARTNER genau diese und andere wichtige Kriterien erfüllt, erzählt uns der Projektleiter Wilfried Hille.

Warum setzen Kunden wie zum Beispiel Hyundai, Subaru, Isuzu und Mitsubishi France auf das ERP/GATE von DR. THOMAS + PARTNER? Welche Vorteile sind besonders nennenswert?

Bei GATE handelt es sich um ein umfangreiches und zudem modular aufgebautes System, das sich aus einer zentralen Datenbasis mit zuschaltbaren Einzelmodulen zusammensetzt. Die Software,deren Akronym für „Global Automotive Trade Environment“ steht, unterstützt unsere Partner beim Fahrzeughandel, der Fahrzeugfinanzierung, dem Händlermanagement sowie beim Ersatzteilhandel und dem Kundendienst-Management. Es ist mehrsprachig sowie mehr-Marken-fähig. Der Kunde kann seinen Ansprüchen entsprechend die einzelnen Software-Bausätze auswählen und kombinieren. Dazu gehören etwa die Handelsorganisation und das dazugehörige Management, das Fahrzeug-Management, das Teile-Management und das Kundendienst-Management. Nebenbei stehen zum einen Schnittstellen für die Kommunikation mit den einzelnen Händlern und Dealer-Management-Systemen (DMS) zur Verfügung (beispielsweise Online-Dialoge, Web-Services, File-Transfer), zum anderen dürfen kleinere Informationsmodule für das Marketing, für die Schulungsverwaltung und für die technische Kommunikation nicht fehlen. Die im System vorhandene Modularität erlaubt den Einsatz einzelner Module sowie die Kombination zu unterschiedlichen Varianten; so entstehen quasi neue Produkte.

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TUP-Projektleiter Wilfried Hille: „Für unsere Kunden sind Features wie Mehrsprachigkeit und Mandantenfähigkeit essenziell wichtig.“

Und dabei steht die Flexibilität des Systems im Vordergrund: Wird ein Feature dringend benötigt oder auch nicht mehr genutzt, können wir dieses im Handumdrehen aktivieren und dem Kunden zur Verfügung stellen – oder wir schalten es auf Wunsch unsichtbar. Das entscheidet der Kunde. GATE ähnelt also in Aufbau und Adaptivität unserer eigenen Lagerverwaltung TWS. Anmerkung der Redaktion: Letzteres hatten wir kürzlich in einem Interview mit Projektleiter Martin Schwendemann näher erläutert. In dem Segment Automotive ist TUP zudem seit 1992 aktiv, das dabei gesammelte Know-how wurde kontinuierlich weiterentwickelt.

Was genau ist die Aufgabe von GATE?

GATE bildet einerseits die Dialogkette zwischen Hersteller und Importeur, andererseits zwischen Importeur, Händler und Kunden ab. Es ermöglicht also die Prozesstransparenz im Kraftfahrzeughandel zwischen Kunde, Händler, Importeur und den Lieferanten – und natürlich andersherum. Genauer gesagt handelt es sich um eine Software, die die gesamte Supply-Chain (Lieferkette) vom Hersteller bis hin zum Kunden abbildet. Beteiligt an den Geschäftsprozesse sind unter anderen Lieferanten, OEMs, PDI-Zentren sowie die Logistik, aber auch Banken, Versicherungen und die Händler selbst. Grundsätzlich bildet GATE folgende Kernfunktionen ab: Fahrzeugvertrieb, Teilewesen und den Kundendienst inklusive der Garantieabwicklung. Weitere Kernfunktionen, die wiederum in untergeordnete Zusatzfunktionen aufgesplittet sind,  wie beispielsweise Fahrzeugdisposition, Auftragsabwicklung, Faktura, Gutschriftabwicklung, Druck der Zulassungsbescheinigung (Teil 2) und COC, Firmenfahrzeugverwaltung, Inventur, Sonderaktionen, Preiskalkulation, Zubehörgarantie und vieles mehr. Der Kunde möchte weitere Schnittstellen? Von der erwähnten Lagerverwaltung, der Händler-Einkaufsfinanzierung, Finanz- und Rechnungswesen (SAP/R3, SAGE, Navision, GDC) und der PDI-Kommunikation (BLG, Broekman, Axial, P&O) bis hin zu Mobilitätsdienstleistern, Marketing-Agenturen, Teilelieferanten und zur Archivierung (easyArchiv), sind keine Grenzen gesetzt.

GATE ist ein Business-Intelligence-Werkzeug, welches dem Kunden ermöglicht, sich im Kraftfahrzeughandel auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Dabei ist das System so konzipiert, dass die Regelabläufe zwar mit einem maximalen Automatisierungsgrad abgebildet werden; doch zusätzlich ist das System so entwickelt, dass jederzeit eine Interaktion mit dem Sachbearbeiter stattfinden kann. Als Beispiel sei eine Überschreitung des hinterlegten Händler-Finanzierungslimits für Fahrzeuge genannt. In diesem Fall stoppt GATE die Auslieferung und informiert den zuständigen Sachbearbeiter, beziehungsweise setzt bei Unterschreitung offene Fahrzeugaufträge wieder frei. Sprich, nur der entsprechende Vorgang wird automatisch gestoppt und der Sachbearbeiter erhält den Vorfall mit allen benötigten Informationen als Wiedervorlage angezeigt.

Wie sieht die Zukunft der Automotive-Branche aus. Welchen Reiz hat dieses ja doch spezielle Segment?

Obwohl der Markt gesättigt scheint, schaffen es immer wieder neue Marken nach Deutschland und Europa. Diese benötigen eine modulare Software, um ihre Prozesse ohne viel Zusatz-Entwicklung abzubilden. Dahingehend sind wir recht gut aufgestellt. Wir sind uns sicher, dass unsere Software auch in Zukunft speziell Marken aus Übersee dabei behilflich sein wird, hierzulande Fuß zu fassen. Zudem ist in Europa eine Zentralisierung der Märkte zu beobachten. In den USA beispielsweise ist dieses Unterfangen schon längst abgeschlossen. Dort gibt es in der Regel pro Marke nur einen Importeur. In Europa dagegen hat fast jedes Land seinen eigenen. Die Märkte werden durch die Zusammenführung weiter internationalisiert, die Software automatisch auch. Unsere Software beispielsweise unterstützt unzählige Formulare in den Sprachen der Händler und Importeure.

Ebenfalls ein Service, auf den es in Zukunft ankommen wird: Die Software wird Routine-Tätigkeiten komplett übernehmen. Die Mitarbeiter selbst werden sich wieder mehr auf den direkten Kontakt und Service für den Kunden konzentrieren können.

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