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Im Interview: Projektleiter Dr. Roman Roth über Betriebsdatenerfassung (BDE) und die Sache mit Big Data

Big Data ist derzeit aus den Medien nicht mehr wegzudenken. Viele Unternehmen halten große Stücke auf die massenhafte Verarbeitung von persönlichen Informationen. Die Datenerfassung (BDE) von DR. THOMAS + PARTNER meidet daher die totale Überwachung und konzentriert sich ausschließlich auf betriebsspezifische Informationsverarbeitung. Dr. Roman Roth, Projektleiter und BDE-Spezialist bei TUP, geht dabei ins Detail und erzählt uns im Interview, was genau hinter dem Akronym BDE steckt und welche besonderen Vorteile die betriebliche Datenerfassung aus dem Hause TUP hat.

Was muss man sich unter einer Betriebsdatenerfassung eigentlich genau vorstellen? Warum wird eine solche Datenerfassung durchgeführt?

Einen logistischen Betrieb, mit einer gewissen Größe, muss man sich als komplexe Maschine samt dahinter verborgenen Analogien vorstellen. Beispielsweise beschreibt eine Uhr in ihrer alten Form eine komplizierte Ingenieurs-Kunst, die unzählige unterschiedlich große und kleine Zahnräder als einzelne Prozesse ineinander greifen lässt. Damit diese Komplexität in einem modernen Distributionszentrum reibungslos funktioniert, benötigen wir einen sogenannten Leitstand. Er erkennt dank der Betriebsdatenerfassung (Kennzahlen-Auswertung) (BDE), wo genau ein Rädchen im System klemmt.

Dr. Roman Roth - Betriebsdatenerfassung

Projektleiter Dr. Roman Roth

Hinzu kommt, dass in der Intralogistik sehr viele Menschen das technische System ergänzen, dabei aber eine nicht kalkulierbare Fehlerquelle darstellen. Ich benötige also grundsätzlich Augen und Ohren draußen im Lager, um etwa folgende Rückmeldungen zu erhalten: Was genau hat im Lager gut oder weniger gut funktioniert, wo hängt beispielsweise ein Lager-Prozess noch hinterher? Und ja, die anfänglich beschriebene Analogie hinkt natürlich insofern, weil ein modernes Lagersystem bei näherem Hinsehen nicht mit einem Uhrwerk vergleichbar ist. Unsere Prozesse greifen eher nicht, wie bei einer Kuckucksuhr, hart ineinander. Wir designen daher vielmehr möglichst lose gekoppelte Prozesse, damit der Mitarbeiter zum Beispiel seine verdiente Pause nehmen kann. In der Praxis: Wird der Pick-Rundgang etwas später fertig, wird nicht sofort ein anderer Prozess in Mitleidenschaft gezogen.

BDE und die Motivation der Leistungskontrolle

Eine andere Motivation kommt aus der klassischen Leistungskontrolle oder auch Leistungsentlohnung. Neben Freizeitausgleich und Sonderurlaubstagen wird das Personal auch über den Faktor Geld motiviert. Mitarbeiter, die also nachweislich Mehrarbeit leisten, werden anhand unserer Auswertung auch besser bezahlt. Doch speziell bei der Leistungsentlohnung müssen Informationsdetails wesentlich tiefer begründet werden. Vor der praktischen Umsetzung einer Leistungsentlohnung wird die Sollzeitvorgabe vom Unternehmen gemeinsam mit dem Betriebsrat vereinbart. Ist diese Grundlage einmal geschaffen, kann mit Hilfe unserer Software dann die Erfassung der individuellen Ist-Leistung im laufenden Prozess erfolgen. Das Unternehmen erhält so eine detaillierte Abbildung von Zeit- und Kalkulationsdaten für Planung, Steuerung, Kostenrechnung, Leistungsvergleiche, Kennzahlen, Benchmarking sowie Zielvereinbarungen mit dem Mitarbeiter. Der Leitstand, beispielsweise von TUP, weiß also immer zu jeder Zeit, welcher Rundgang vom Mitarbeiter abgeschlossen ist; inklusive den bekannten Positionen (scannen, packen) während des Pickens. Sämtliche Arbeitsprozesse werden demnach aufgezeichnet, verglichen „Ist/Soll“, justiert und gemeinsam mit dem Mitarbeiter fortlaufend verbessert.

Zwischen-Fazit: Motivation für eine BDE sind zum einen die Transparenz einzelner Prozesse im Lager, zum anderen die beschriebene Leistungskontrolle.

Wo sehen Sie bei der Betriebsdatenerfassung aus dem Hause TUP entscheidende Vorteile gegenüber der Konkurrenz?

Das Besondere unserer BDE-Software ist zweifelsohne das Zusammenspiel beider Welten. Wir können die im Zwischen-Fazit erwähnten Motivationen „Transparenz“ und die „Leistungskontrolle“ abbilden – der Leitstand bekommt in Echtzeit beide Positionen gleichzeitig im Detail zugespielt und kann auf Abfrage diese leicht verständlich anzeigen.

In der breiten Masse werden dagegen Lösungen angeboten, die mit der Logistik eher weniger zu tun haben. Denn meist werden lediglich Dinge wie „Arbeitsbeginn“, „Arbeitsende“ und „Pausen“ erfasst. Alles zuvor Beschriebene wird oft von anderen Systemen mit wiederum anderen speziellen Sichtweisen beobachtet und ausgewertet. Es gibt derzeit keine vergleichbare Software, die diesen Leitstands-Aspekt so detailliert abdeckt wie unsere. Letzteres ist allerdings auch sehr schwierig, da ja unzählige Prozesse im Detail bekannt sein müssen. Die BDE-Software von DR. THOMAS + PARTNER ermöglicht es also nicht nur individuelle Prozesse auszuwerten, vielmehr kann jeder einzelne Prozess überwacht werden. Der Kunde bestimmt selbst, welche Informationen verdichtet vorliegen sollen. Am Ende erkennen die entsprechenden Mitarbeiter am Leitstands-Dialog, wo genau noch die nötige Feinjustierung anzusetzen ist. Zusätzliche und meist kostenintensive Software-Lösungen sind bei uns also nicht zwingend nötig.

Sprechen wir bei der Datenmenge bereits von Big Data? Wie viele Datensätze werden eigentlich im laufenden Betrieb ausgewertet?

Ich glaube, das wäre ein zu mächtiges Wort für unsere TUP-Datenerhebung. Bei Big Data sprechen wir von Mengen, die noch ein paar Zehnerpotenzen größere Datenmengen umfassen. Dennoch, wir berücksichtigen für eine Analyse tatsächlich Millionen von Ereignissen pro Tag. Sie müssen ja auch tagtäglich protokolliert, summiert, verdichtet und dargestellt werden. Doch nicht alle Informationen stammen aus der BDE-Welt – also vom Menschen -, vielmehr werden diese von den Mitarbeitern erfassten Daten mit Tausenden Datenpaketen aus der Technik verheiratet und im Zusammenspiel ausgewertet. Jedes Mal wenn ein Paket an einem Scanner vorbeifährt und diese Information an unser System weitergeleitet wird, sprechen wir von einer gleichwertigen Information, so als würde ein Kommissionierer seinen Rundgang als beendet melden. Beides fließt in dieselbe Auswertung und wird per Dialog am Leitstand abgebildet. Im Hinblick auf Big Data sprechen wir daher meines Erachtens von unterschiedlichen Zielen. Eine massenhafte Auswertung im Ganzen, sprich, die derzeit in den Medien diskutierte Massen-Überwachung von Mitarbeitern, wird bei der BDE von TUP nie das Ziel sein. Vielmehr hat der Kunde jederzeit Zugriff auf qualitativ hochwertige Informationen in Echtzeit und kann anhand dieser – wenn wir mal wieder eine Analogie suchen – seine Motorsteuerung optimieren.

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