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E-Commerce: Konsumverhalten und schlechte Arbeitsbedingungen rücken Onlinehandel ins schlechte Licht

Wir sprechen von knapp 40 Milliarden Euro, die 2012 von den Deutschen via E-Commerce umgesetzt worden sind. 2013 wird der Umsatz um geschätzte 21.3 Prozent ansteigen. Ein Wachstum mit Nachteilen: Umweltbelastung und Billiglöhne sind erste Symptome. Dabei zeigt eine von DR. THOMAS + PARTNER sowie von gaxsys in Auftrag gegebene Studie, dass Nachhaltigkeit auch im Internet eine Chance hat.

Seit dem Amazon-Skandal, bei dem die schlechten Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter zu Tage geführt worden sind, müssen Online-Anbieter in Zukunft umdenken. Da ist sich Mathias Thomas vom Unternehmen gaxsys sicher. Zusammen mit DR. THOMAS + PARTNER hat sein Karlsruher Unternehmen eine Studie in Auftrag gegeben, die aufzeigt, dass grüne Transportlösungen im Kommen sind; in Zukunft sogar eine wesentliche Rolle spielen könnten. Bestes Beispiel ist die Initiative Buy Local, die 2012 von Buchhändlern ins Leben gerufen wurde. Derzeit folgten dem Aufruf der Initiative bereits 120 Geschäfte, hauptsächlich Buchhändler, aber auch Schuh-, Spielzeug- und Lebensmittelhändler sind mittlerweile mit an Bord. Handelsketten dürfen dem Bündnis nicht beitreten. Das Siegel verpflichtet sich, dem Kunden transparent darzustellen, dass jeder teilnehmende Einzelhändler sich zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichtet. Dies wird durch das besagte zertifizierte Siegel sichtbar. „Dem Kunden muss klar sein, dass er durch seinen Einkauf seine Region kulturell und sozial aktiv mit gestaltet“, so die Initiative.

E-Commerce und die Nebenwirkungen

Warum ein intensiver E-Commerce auch Nebenwirkungen nach sich zieht, zeigen Schätzungen der Universität Bamberg. Im Schnitt hat jedes verkaufte Produkt tausende Kilometer hinter sich, die Verkehrsnetze platzen aus allen Nähten und die CO2-Bilanz des Online-Handels ist verheerend. Geht es nach der Universität sind im Jahre 2011, 247 Millionen Pakete an die Verkäufer zurückgegangen! Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß von 255 Fahrten von Frankfurt nach Peking – pro Tag. „Und der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt: 40 Prozent des transportierten Inhaltes ist Luft – aufgrund unsinniger Verpackungen“ ärgert sich gaxsys-Geschäftsführer Mathias Thomas.

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Trend, Definition und gaxsys

Klar, mit dem Karton alleine wird das Problem nicht gelöst. Das Konsumverhalten muss sich grundlegend verändern. Die Studie von DR. THOMAS + PARTNER und gaxsys zeigt auf, warum das Konsumverhalten bisher unverändert geblieben ist. So gaben die befragten Konsumenten an, dass Ihnen Nachhaltigkeit zwar wichtig ist, doch sind sie nicht bereit einen höheren Preis für die bestellte Ware zu zahlen. Ebenfalls zu beachten: die einzelnen Industrien. Denn besonders in der Fashion-Branche ist Nachhaltigkeit nicht das ausschlaggebende Kriterium. Zuvor zählen das Design, die Passform und natürlich die Marke selbst. Und letztere lassen meist noch in Billiglohn-Ländern wie China und Indien produzieren; halt dort, wo die Arbeitsbedingungen bekanntlich nicht zu den besten zählen. Dahingehend greift speziell eine Aussage der Studie: „Einige Anbieter sind der Meinung, dass E- Commerce gerade deshalb boomt, weil Konsumenten sich keine Gedanken über irgendwelche Auswirkungen machen.“ Sprich, was interessieren mich der Apparat samt Arbeitsbedingungen im Hintergrund, was die Umweltbelastungen? Aktuelle Umsatzzahlen des Branchenverbandes bvh zeigen zudem, dass auch 2013 (2. Quartal) dieser Trend beibehalten wird.

1. Bekleidung – 2.9 Milliarden
2. Bücher – 1.3 Milliarden
3. Schuhe – 1 Milliarde
4. U-Elektronik/E-Artikel – 1 Milliarde
5. Bild- und Tonträger – 746 Millionen

Laut der Studie fehlt es auch an der übereinstimmenden Definition von Nachhaltigkeit. So verstehen Unternehmen darunter grundsätzlich die Triple Bottom Line. Also wie können Unternehmen nicht nur zum ökonomischen, sondern auch zum ökologischen und sozialen Fortschritt beitragen? Doch Faktoren wie CO2-Emissionen, Arbeitsbedingungen, faire Rohstoffe, lokale Produktion, Gesundheit, vernünftiger Umgang mit Ressourcen, Recycling, Kinderarbeit und Transparenz müssten allesamt in Einklang gebracht werden, um auch den Konsumenten gerecht zu werden. Durch die weltweite Produktion ein schwieriges Unterfangen – eine nachhaltige Kontrolle ist wegen unterschiedlichen Gesetzen bisher sehr schwer durchzusetzen.

online meets local

Sei es drum. In Zukunft werden Unternehmen auf die Forderung nach einer Abkehr von der reinen Profitorientierung reagieren. Das Karlsruher Unternehmen gaxsys beispielsweise will genau das forcieren und plant dabei sogar mit beiden Arten des Handels. Frei nach dem Motto: online meets local. Das Unternehmen will Marken und die lokalen Händler zusammenbringen und versuchen, die verursachten Umweltbelastungen dieser zu verringern. Dabei muss von beiden Seiten, bei einer Kaufentwicklung, nicht einmal Verzicht geübt werden.

Der Kunde surft direkt auf die Herstellerseite. Dort sucht er sich das gewünschte Produkt aus und bestellt im hauseigenen Webshop des Herstellers. Fortan läuft der Kundenauftrag nicht, wie gewohnt, über das zentrale Lager der Marke, sondern wird über die besagte Artikelbörse gaxsys dem lokalen Fachhandel angeboten, dezentral versteht sich. Der erste autorisierte Händler, der die gewünschte Ware vorrätig hat, kann den Auftrag annehmen und selbst versenden. Nach eigenen Angaben können sich die Gründer aus Karlsruhe gut vorstellen, den Bestell-Kreislauf so zu forcieren, dass der Kunde die Ware entweder im Laden selbst abholt oder lokale Lieferanten diesen Part übernehmen – Green Mobility ist bekanntlich das nächste große Ding.

Bis dahin müssen aber auch Politik und Verbände zusammenfinden. Auch der Konsument muss wesentlich stärker berücksichtigt und auch in die Pflicht genommen, Vorteile sowie Nachteile beider Arten des Handelns müssen aufgezeigt werden. Grundsätzlich könnte Buy Local sich als Nischenprodukt etablieren – als zusätzliche Alternative zum E-Commerce.

Da die Studie noch Teil unserer Forschung ist, bieten wir Interessenten die Möglichkeit, sich mit Fragen an die Redaktion zu wenden. Wir würde uns dann bei Ihnen umgehend melden.

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