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„Smart Mobile Logistics“ – wie sich Smartphones effizient in der Intralogistik einsetzen lassen

Smart Mobile Logistic - wie sich Smartphones in die Intralogistik integrieren lassen.

Manche innovativen Arbeitsmethoden liegen – im wahren Sinne des Wortes – auf der Hand. Allerdings, und entsprechendes Know-how vorausgesetzt, muss man wagen, sie praxisgerecht weiterzuentwickeln und umzusetzen. So hatte Dr. Thomas + Partner (TUP) bereits vor rund drei Jahren die Idee, nicht-industrielle Smartphones in der Logistik einzusetzen.

von Reinhard Irrgang

Die „Smart Mobile Logistics“ (SML) bietet eine Reihe veritabler Vorteile. Der erste manifestiert sich bereits im deutlich günstigeren Hardwarepreis. Denn während industrietaugliche Handheldterminals meistens einen vierstelligen Eurobetrag kosten, ist für preiswerte, aber durchaus für SML-Prozesse taugliche Smartphones lediglich ein knapp dreistelliger Betrag zu veranschlagen. Hinzu kommen noch in jedem Fall die Kosten für den Scanner.

Ein weiterer wichtiger operativer Pluspunkt sind die detaillierteren Informationsmöglichkeiten während des Arbeitsprozesses für die Mitarbeiter: Während klassische Handhelds wegen der geringeren Display-Auflösung nur wenige Informationen anzeigen können, zeigen Smartphones mittlerweile über den hochauflösenden Bildschirm unzählige zusätzliche Informationen; inklusive Bilder in Full-HD. Dies erweist sich, beispielsweise beim Kommissionieren, als sehr nützlich: Denn anstatt nur eine Regalplatznummer angezeigt zu bekommen, erhält der Kommissionierer auf dem HD-Display den Regalplatz als Piktogramm sowie alle dazugehörigen Details gleichzeitig dargestellt.

Noch direktere Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten wird die Steuerung des Smartphones per Sprache bieten, die, wie Dipl.-Ing. Karl Warmulla, Projektleiter und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung bei DR. THOMAS + PARTNER (TUP), in Karlsruhe, erläutert, „in naher Zukunft folgen wird“.

Detaillierte Information der Mitarbeiter

Karl Warmulla sagt: Smart Mobile Logistic gehört die Zukunft in der Intralogistik.

Karl Warmulla – Projektleiter und Mitglied der Geschäftsführung von TUP

Zudem lassen sich auf der farbigen Anzeige zusätzliche Informationen einspielen, die Pickfehler vermeiden helfen, wie beispielsweise Detailfotos von Artikeln, was sich etwa bei unterschiedlichen Produkt-Varianten oder großer Artikel-Vielfalt als sehr nützlich erweist. Auch beim Kommissionieren aus Retouren-Mischbehältern mit erfahrungsgemäß äußerst unterschiedlichen Artikeln erhöht sich durch die detaillierten Darstellungs- und Abbildungsmöglichkeiten die Pickgenauigkeit. Insgesamt helfen Features wie diese, „die Kommissionierqualität zu erhöhen“, so Warmulla.

Auch die Arbeits-Effizienz wächst, da der Kommissionierer die Hände frei hat und somit im „Hands free“-Modus arbeiten kann: Das Smartphone wird in einer speziellen Hülle an den Unterarm geschnallt, ähnlich wie bei Joggern üblich; des weiteren kommt ein Bluetooth-Ringscanner zum Einsatz, der die Barcodes liest und die Daten an das Smartphone sendet, dessen Display zur Quittierung nur angetippt werden muss.

Smart Mobile Logistc: unterbrechungsfreier Workflow

Zudem hat TUP für die „Smart Mobile Logistics“ (SML) eine Software entwickelt, die es unter anderem ermöglicht, auch bei einem Geräteausfall sofort mit einem neuen Smartphone weiterarbeiten zu können, und zwar unmittelbar an derselben Position und ohne Datenverlust. Dies ist für einen möglichst unterbrechungsfreien Workflow auch insofern relevant, als es sich bei Smartphones um vergleichsweise empfindliche Geräte handelt, die nicht industriefest sind. Und da im Einsatz-Alltag Beschädigungen nicht ausgeschlossen werden können, setzt TUP auf eine besondere Lösung: Pro Mitarbeiter werden zwei Smartphones beschafft: Eines für den aktuellen Einsatz, und eines als Ersatzgerät, das jederzeit beim Lagerverantwortlichen oder Meister abgeholt werden kann, falls das Erstgerät ausfällt oder der Akku leer ist. Wie Warmulla betont, sind „zwei Smartphones der genannten Preiskategorie immer noch deutlich preisgünstiger als ein Industrie-Handheld-Terminal“. Zudem sei ein gleichzeitiger Ausfall beider Geräte zu unwahrscheinlich, um wirtschaftlich ins Gewicht zu fallen.

Die vielseitige SML im praktischen Einsatz

SML lässt sich in vielen intralogistischen Bereichen einsetzen, beispielsweise im Wareneingang und bei der Einlagerung, für die Vielzahl von unterschiedlichen Kommissionierarbeiten, die branchenübergreifend geleistet werden müssen, in der Produktion für das Kommissionieren von Montageteilen, bei verschiedenen Transportprozessen, die bisher ein fest installiertes Terminal erforderlich gemacht haben, oder für die diversen Pickprozesse im Online-Handel. Gerade im E-Commerce ist das Anwendungsspektrum vielseitig und kann das Zusammenstellen und Ergänzen von Sendungen ebenso umfassen wie das Bearbeiten von Retouren.

SML erweist sich gerade auch bei stark saisonalen und generell von sehr häufigen Peaks definierten Geschäften als vorteilhaft, wie Warmulla betont. So können auch fachfremde Mitarbeiter nach äußerst kurzer Einweisungszeit sofort loslegen. Und da alle Mitarbeiter gleiche Geräte verwenden, können sie schnell auf andere Tätigkeiten umgeschult werden, nicht zuletzt auch wegen der Informations- und Darstellungsmöglichkeiten, die Smartphones bieten.

Es bedarf wohl keiner prophetischen Gabe, um Smart Mobile Logistics vielfältige Anwendungen in unterschiedlichen Branchen vorherzusagen.

 

Bildquelle: TUP