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LogiMAT 2017: Die Intralogistik wird dank RFID smarter

Kommissionierung mit der Datenbrille und RFID: Smart Industry nimmt Gestalt an.

Geht es nach der LogiMAT 2017 in Stuttgart, der Fachmesse für Distribution, Material- und Informationsfluss, ist die Smart Industry „the next big thing“. Smart Glasses, Smart Watches, Smartphones, Internet der Dinge und natürlich die Cloud: Die Informations- und Kommunikations-Technologie verschmilzt weiter mit der Sensorik und öffnet somit der tragbaren Datenverarbeitung (Wearable Computing) eine Tür zu den operativen Prozessen. Mein persönlicher Messe-Eindruck.

Wer hätte das gedacht? Smarte Endgeräte wie Smartphone, Smart Glasses und Smart Watches halten immer nachhaltiger Einzug in industrielle Prozesse. Der Unterschied zu den Jahren davor: Einzelne Technologien wie Scanner, Sprachassistent, Barcode, NFC und RFID werden mittlerweile intensiv miteinander kombiniert. Speziell die Datenbrille ist in der Intralogistik angekommen und erfolgreich umgesetzte Pilotprojekte zeigen zudem das Potenzial des Wearables. Anwendung findet die Technologie vor allem in der Kommissionierung, Inventur und der Navigation durch das Distributionszentrum.

LogiMAT 2017: Kommissionieren via Datenbrille und RFID

Das xBand kann von unten oder von oben mit dem RFID-Tag kommunizieren.

Wie die Kommissionierung via Datenbrille abgewickelt werden kann, zeigte mir das Unternehmen Ubimax (siehe Bilder). Das Unternehmen simulierte auf der Messe eine kleine manuelle Kommissionierung, bei der ich mittels Vuzix M100 unterschiedliche Kleinteile kommissionieren durfte. Dabei wurde die Kommissionierung per Sprachsteuerung angestoßen, der Auftrag über die in der Datenbrille integrierten Kamera und einem Barcode-Scan erfasst, die Kommissionierung aber anstelle des Barcode-Scans mit dem sogenannten xBand abgewickelt. Das xBand ist ein Multi-Sensor-Armband, welches der Mitarbeiter während seiner Tätigkeit am Handgelenk trägt. Der Reader kommuniziert wahlweise via Bluetooth oder WLAN und kann nach eigenen Angaben sogar mit einer Smartwatch gekoppelt werden. „Durch den Verzicht auf zeitaufwändige Zusatzprozesse wie Scannen, manuelle Quittierungen oder Einsprechen von Prüfziffern können die Geschäftsprozesse schneller, ergonomischer und flexibler gestaltet werden – ohne Abstriche bei der Prozesssicherheit machen zu müssen“, so das Unternehmen. Ähnlich, wie die TUP-Lösung Smart Mobile Logistic, kommuniziert die Vuzix M100 bei der Artikelerfassung mit einem Warehouse-Management-System oder einem ERP-System.

RFID entfaltet seine volle Wirtschaftlichkeit, wenn die Vorteile der Technologie auch genutzt werden können: Pulklesung, keinen Sicht-Kontakt, Berührungslos. Zudem sollte die gesamte Lieferkette projektbezogen via RFID abgebildet werden – sprich über die gesamte Supply Chain.

Thorsten Braas, Sales Manager – Waldemar Winckel GmbH & Co. KG

Ob sich das RFID-basierte Quittierungsverfahren allerdings auch bei Großprojekten rechnet, wird die Zukunft zeigen. Gerade in individuellen Umgebungen kommen solche Lösungen schnell an ihre Grenzen.

Mein Fazit lautet daher: Eine vorzeigbare Einführung eines robusten und leistungsstarken Wearables in einer logistischen Größenordnung von mehreren Fußballfeldern; inklusive unterschiedlichen Artikeln samt unterschiedlichem Handling wird meiner Meinung nach noch drei bis fünf Jahre dauern. Kein Wunder; so stehen wir im Hinblick auf Wearables erst am Anfang einer neuen Generation von Arbeitsgeräten. Die derzeitige Situation ist zu vergleichen mit den ersten Smartphones ab 2007. Damals waren Hardware und Software ja auch eher schlecht als recht aufeinander abgestimmt. Es gilt, die Consumer-Technologie in den nächsten Jahren auf den Industriestandard zu hieven. Auch, um endlich ein breites Anwendungsspektrum abbilden zu können.

Bilder: TUP